Harnuntersuchung
und HarnkulturHarndiagnostik und Harnkultur im Überblick
Die Untersuchung des Harns ermöglicht relativ unkompliziert erste Rückschlüsse auf zugrundeliegende Erkrankungen, insbesondere auf Erkrankungen der Nieren oder ableitende Harnwege. Es gibt verschiedene Methoden, um Harn zu untersuchen, je nach Art des Tests werden unterschiedliche Bestandteile des Harns untersucht. So beinhaltet die Untersuchung die makroskopische Beurteilung des Harns (Farbe, Transparenz) und die Untersuchung mittels Harnstreifen. Zusätzlich kann noch die mikroskopische Beurteilung des Harnsedimentes (nicht lösliche feste Bestandteile des Harns) erfolgen, welche zusätzliche Hinweise auf bestimmte Erkrankungen der Nieren oder der harnableitenden Wege geben können.
Diese drei Untersuchungsmöglichkeiten werden als Urinstatus zusammengefasst. Ergänzend zur Harnstreifenuntersuchung kann bei unklaren Befunden auch das Anlegen einer Harnkultur notwendig sein.
Was ist eine Harnkultur?
Warum wird eine Harnkultur gemacht?
Was ist Harn?
Ein Urinstatus soll durchgeführt werden bei:
- Verdacht auf eine Harnwegsinfektion
- Verdacht auf eine Erkrankungen der Nieren oder der ableitenden Harnwege
- Verdacht auf eine Stoffwechselstörung/-entgleisungen (Diabetes mellitus)
- Verdacht auf eine akute Erkankung der Leber oder Gallenwege und bei spezieller Form von Blutarmut (hämolytische Anämie)
- Screening einer chronischen Nierenschädigung bei Bluthochdruck, Diabetes mellitus und rheumatologischer Erkrankungen
- Schwangerschaftstest
Wozu dient eine Harnstreifen-Untersuchung?
Die Harnstreifenuntersuchung ist eine einfache und kostengünstige Methode zur Basisdiagnostik des Urins. Die Befundung erlaubt wegweisende Rückschlüsse auf Erkrankungen und ggf. notwendige weiterführende Diagnostik. Bei dem Harnteststreifen handelt es sich um ein semiquantitatives Messverfahren mit begrenzter Genauigkeit, weshalb eine Interpretation der Ergebnisse unter Beachtung der wichtigsten Störfaktoren erfolgen muss.
Bei Routine-Untersuchungen wird in der Regel ein Teststreifen herangezogen, der kurz in den Harn getaucht wird. Mit diesen Schnellteststreifen lassen sich verschiedene Inhaltsstoffe im Harn nachweisen und damit Rückschlüsse auf verschiedene Erkrankungen ziehen – z.B. der Verdacht auf einen Harnwegsinfekt bei typischen Symptomen lässt sich einfach und schnell mittels eines Harnteststreifens bestätigen.
Übersicht messbare Parameter bei Harnteststreifen und Rückschlüsse auf mögliche Erkrankungen:
Bei positivem Befund möglicher Hinweis auf:
Erythrozyten (bzw. Hämoglobin/Myoglobin): Renale oder postrenale Erkankungen (Harnblasenentzündung, Nierenbeckenentzündung, Harnsteine, Tumore), Muskelerkrankungen, best. Formen der Blutarmut
Leukozyten: Harnblasenentzündung, Entzündungen im Bereich der Nieren und ableitenden Harnwege, genitale Infektionskrankheiten
Nitrit: Hinweis auf bakteriellen Harnwegsinfekt
Protein: Kurzzeitig erhöht bei akuten Harnwegsinfektionen, bei persistierender Erhöhung - Hinweis auf chronische Nierenschädigung
pH-Wert: Große Schwankungsbreite, abhängig von Ernährung und Tageszeit
Ketone: Verminderte Nahrungsaufnahme, Schwangerschaftserbrechen, schlechte Stoffwechsellage bei Diabetikern (in Zusammenschau mit erhöhtem Blutzucker und Harnzucker)
Glucose: Diabetes mellitus
Bilirubin: Bei Erkrankungen der Leber und Gallenwege
Urobilinogen: Bei Erkrankungen der Leber und Gallenwege, spez. Formen der Blutarmut (Hämolytische Anämie)
Warum wird eine Harnkultur gemacht?
Bei unklarer Harnstreifen-Diagnostik oder Vorliegen einer komplizierten Harnwegsinfektion ist die Gewinnung einer Harnkultur zur genauen Erregerdiagnostik notwendig. Als komplizierte Harnwegsinfekte gelten Harnwegsinfekte bei Männern, Kindern, Schwangeren, urogenitalen Vorerkrankungen bzw. Voroperationen oder bei Nierenbeckenentzündungen.
Durch das Anlegen einer Harnkultur kann die Art und Anzahl der krankmachenden Keime bestimmt werden. Auch kann unterschieden werden, ob es sie um nicht krankmachende Erreger (Kontamination der Harnprobe mit physiologisch vorkommenden Hautkeimen aus dem Umgebungsbereich der Harnröhre) oder um definitiv pathogene Erreger einer Harnwegsinfektion handelt. Werden Bakterien gefunden, prüfen die Mediziner auch, welches Antibiotikum dagegen eingesetzt werden kann.
Dies geschieht, indem unterschiedliche Antibiotika auf die Nährböden aufgebracht werden. Wird die Bakterienkolonie durch das Antibiotikum eliminiert liegt keine Resistenz der Keime gegen das Antibiotikum vor. Sterben sie nicht ab, liegt eine Resistenz der Keime gegen das Antibiotikum vor.
Was sind typische Symptome eines Harnwegsinfektes?
Typische Symptome für eine Harnwegsinfektion sind Schmerzen beim Wasserlassen, Harndrang kombiniert mit häufigem Wasserlassen oder Druckgefühl/Schmerzen im Unterbauch.
Wichtig ist die Abgrenzung auf eine Mitbeteiligung der Nieren bzw. ein Aufsteigen der Blasenentzündung in Richtung Nierenbecken. Zeichen einer Nierenbeckenentzündung können Fieber (Temperatur über 38 C°) und Schüttelfrost, Flankenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl sein.