Sprachentwicklung
Sprachentwicklung bzw. Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern
Die Sprachentwicklung bei Kindern umfasst den schrittweisen Erwerb sprachlicher Fähigkeiten – vom ersten Lächeln bis zur aktiven Teilnahme an Gesprächen. Bereits im Säuglingsalter beginnt dieser komplexe Prozess mit ersten Lautäußerungen und entwickelt sich kontinuierlich weiter: über das erste gesprochene Wort, einfache Wortkombinationen bis hin zu vollständigen, grammatikalisch korrekten Sätzen im Kindergartenalter.
Es geht hier nicht nur um das Erlernen von Wörtern, sondern um einen tiefgreifenden Entwicklungsprozess. Dieser geht mit dem Verstehen, Interpretieren und Verwenden von Sprache einher. Die Sprachentwicklung ist eng verwoben mit der kognitiven, emotionalen und sozialen Reifung eines Kindes – und spielt somit eine zentrale Rolle für seine gesamte Entwicklung.
Kinder mit einer Sprachentwicklungsverzögerung sowie -störung ziehen sich häufig in bestimmten Situationen zurück und leiden unter dem Defizit. Aufgrund der zentralen Bedeutung sprachlicher Kompetenzen für verschiedene Lebensbereiche beeinträchtigen Sprachentwicklungsstörungen nicht nur die kognitive, sondern auch die soziale und emotionale Entwicklung eines Kindes und wirken bis ins Jugend- und Erwachsenenalter hinein.
Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen tragen ein erhöhtes Risiko für komorbide internalisierende und externalisierende Störungen, dergleichen können Schwierigkeiten in der Interaktion mit Gleichaltrigen, welche im Jugendalter zunehmend an Bedeutung gewinnen, auftreten.
Unterschiede im Spracherwerb sind in gewissem Maße normal und Teil der individuellen Entwicklung. Bei auffälligen oder anhaltenden Verzögerungen kann eine frühzeitige Abklärung dabei helfen, mögliche Sprachentwicklungsstörungen zu erkennen und geeignete Fördermaßnahmen einzuleiten.
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Wie Kinder sprechen lernen – Meilensteine der Sprachentwicklung im Überblick
Der Verlauf der Sprachentwicklung lässt sich grob anhand typischer Meilensteine beschreiben, die Kinder in bestimmten Altersphasen erreichen. Diese Orientierung hilft Eltern und Fachpersonen dabei, sprachliche Fortschritte besser einschätzen zu können. Die folgende Tabelle zeigt häufig beobachtete sprachliche Fähigkeiten von Babys und Kleinkindern bis zum Vorschulalter:
| Alter | Sprachliche Fähigkeiten |
| 6 Monate | Erste Lautäußerungen wie Lallen, Reaktion auf vertraute Stimmen |
| 12 Monate | Erste Wörter (z. B. "Mama", "Papa"), gezielte Lautnachahmung |
| 18 Monate | Wortschatz von etwa 10–20 Wörtern, erste Zweiwortsätze möglich |
| 2 Jahre | Wortschatz zwischen 50–200 Wörtern, einfache Sätze, Benennen |
| 3 Jahre | Wortschatz bis zu 500 Wörter, Fragen stellen, Ich-Form verwenden |
| 4-5 Jahre | Komplexere Sätze, gute Verständlichkeit, kleine Geschichten |
Diese Angaben sind Durchschnittswerte. Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell, und kleinere Abweichungen sind häufig unbedenklich. Entscheidend ist, dass über längere Zeiträume hinweg Fortschritte zu erkennen sind.
Hinweis: Die in der Tabelle dargestellten Entwicklungsstufen basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Sprachentwicklungsforschung sowie aus langjähriger Praxiserfahrung in Pädiatrie, Logopädie und Entwicklungspsychologie. Es handelt sich um Richtwerte, nicht um starre Normen.
Bleibt die sprachliche Entwicklung jedoch über längere Zeit deutlich hinter den Erwartungen zurück, kann dies auf eine Sprachentwicklungsstörung hinweisen und sollte unbedingt beobachtet bzw. fachlich abgeklärt werden.
Sprachentwicklungsstörungen erkennen: Wann besteht Handlungsbedarf?
Eine Sprachentwicklungsstörung liegt dann vor, wenn ein Kind im Vergleich zu anderen gleichaltrigen Kindern deutlich langsamer oder auffällig anders spricht. Dies trifft sowohl in Bezug auf das Sprachverständnis als auch auf die aktive Sprachproduktion zu. Die Ausprägungen können sehr unterschiedlich sein und reichen von einem leicht eingeschränkten Wortschatz über Schwierigkeiten beim Satzbau bis hin zu Problemen beim Verstehen gesprochener Sprache.
Eine Sprachentwicklungsstörung kann ab dem 3. Lebensjahr valide diagnostiziert werden. Oftmaliger Anhaltspunkt für eine Diagnostik ist das Verpassen des Sprach-Meilensteins mit 2 Jahren, wo rund 50 Wörter gesprochen werden sollten. Kinder, welche diese Fertigkeit noch nicht aufweisen sowie noch keine Zwei-Wort-Sätze in diesem Alter bilden, nennt man auch “Late Talkers”.
Anzeichen für eine mögliche Sprachentwicklungsstörung in den Altersgruppen:
- 0–6 Monate
- Sprachliche Fähigkeiten: Schon Neugeborene kommunizieren über Schreien und entwickeln in den ersten Lebensmonaten ein differenziertes Repertoir an Lauten. Sie beginnen, auf Stimmen zu reagieren, zeigen Interesse an Gesichtern und nehmen Blickkontakt auf. Gegen Ende des ersten halben Jahres beginnt das Baby zu lallen – mit Silben wie „ba“, „da“ oder „ga“.
- Hinweis auf mögliche Auffälligkeiten: Reagiert das Kind nicht auf akustische Reize, Geräusche oder vertraute Stimmen, oder zeigt es kaum Interesse an Gesichtern und fehlenden Blickkontakt.
- 18 Monate
- Sprachliche Fähigkeiten: Wortschatz umfasst etwa 10–20 Wörter, erste Wortkombinationen möglich (z. B. „mehr Saft“, „Ball weg“).
- Hinweis auf mögliche Auffälligkeiten: Bei einem sehr geringen Wortschatz oder ausbleibender Wortbildung kann eine sprachliche Entwicklungsverzögerung vorliegen.
- 2 Jahre
- Sprachliche Fähigkeiten: Wortschatz wächst deutlich (50–200 Wörter), einfache Zwei- bis Dreiwortsätze werden gesprochen. Kinder benennen Gegenstände, erkennen Körperteile und verstehen einfache Anweisungen.
- Hinweis auf mögliche Auffälligkeiten: Wenn das Kind kaum spricht, keine Zwei-Wort-Sätze verwendet oder Aufforderungen nicht versteht, ist eine Abklärung empfehlenswert.
- 3 Jahre
- Sprachliche Fähigkeiten: Wortschatz umfasst bis zu 500 Wörter. Kinder stellen Fragen, verwenden die Ich-Form, erzählen kurze Erlebnisse. Die Sprache wird zunehmend verständlicher – auch für Außenstehende.
- Hinweis auf mögliche Auffälligkeiten: Bleibt das Kind sprachlich sehr schwer verständlich oder bildet es nur sehr einfache Sätze, kann dies auf eine expressive Sprachstörung oder andere Verzögerung hinweisen.
- 4–5 Jahre
- Sprachliche Fähigkeiten: Kinder bilden vollständige, teils komplexe Sätze. Sie erzählen kleine Geschichten, sprechen über Vergangenes oder Zukünftiges. Sie sind im Alltag sprachlich gut integriert.
- Hinweis auf mögliche Auffälligkeiten: Ist das Kind weiterhin schwer verständlich, nutzt keine grammatikalisch korrekten Sätze oder zeigt große Zurückhaltung im sprachlichen Austausch.
Diese Auffälligkeiten müssen nicht zwangsläufig auf eine Störung hinweisen, sollten jedoch aufmerksam beobachtet werden. Bei Kindern mit Mehrsprachigkeit kann die Sprachentwicklung, aufgrund von unterschiedlichen Lernprozessen und Sprachinput verzögert sein (z. B. Sprachvermischung, Aktivierung unterschiedlicher Gehirnareale je Sprache). Eine differenzierte Einschätzung durch Fachpersonen – kann Klarheit schaffen und bei Bedarf gezielte Fördermaßnahmen ermöglichen. Frühzeitiges Handeln unterstützt die weitere sprachliche und allgemeine Entwicklung des Kindes nachhaltig.
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Expressive Sprachentwicklungsstörung: Wenn das Sprechen schwerfällt
Eine besondere Form der Sprachentwicklungsstörung ist die sogenannte expressive Sprachstörung. Hier liegt der Schwerpunkt der Auffälligkeit in der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit. Das Kind versteht in der Regel gut, was gesagt wird, hat jedoch große Schwierigkeiten, sich selbst sprachlich mitzuteilen.
Typische Merkmale einer expressiven Sprachentwicklungsstörung sind:
- Ein sehr eingeschränkter aktiver Wortschatz
- Verkürzte oder stark vereinfachte Sätze
- Schwierigkeiten beim Finden von Wörtern
- Auslassen wichtiger Satzbestandteile (z. B. Verben oder Artikel)
- Auffällige Pausen oder stockender Sprachfluss beim Sprechen
Im Gegensatz dazu ist das Sprachverständnis meist altersentsprechend entwickelt. Das heißt, das Kind versteht Aufforderungen und Erklärungen, kann diese aber nur eingeschränkt sprachlich formulieren.
Expressive Sprachstörungen treten häufig isoliert auf, können jedoch auch Teil einer umfassenderen Sprachentwicklungsstörung oder anderer Entwicklungsverzögerungen sein. Eine gezielte Sprachentwicklungsdiagnostik kann helfen, das Ausmaß der Störung festzustellen und individuelle Fördermöglichkeiten aufzuzeigen.
Eltern können die Sprachentwicklung ihres Kindes im Alltag gut beobachten – etwa beim Spielen, Vorlesen oder in Alltagssituationen wie dem Essen oder Anziehen.
Typische allgemeine Anzeichen für eine mögliche Sprachentwicklungsverzögerung oder -störung sind:
- Ein Kind spricht mit zwei Jahren kaum oder gar nicht.
- Der Wortschatz des Kindes wächst nur sehr langsam.
- Das Kind nutzt Sätze verkürzt oder grammatikalisch stark vereinfacht.
- Die Aussprache ist schwer verständlich – auch für vertraute Personen.
- Das Kind zeigt kaum Interesse an sprachlichem Austausch oder wirkt oft sprachlich überfordert.
Wichtig ist vor allem, dass das Kind Interesse an Kommunikation zeigt und neue Wörter kontinuierlich dazu lernt.
Bei Fragen helfen wir Ihnen gerne weiter.